Aram Bartholl
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27. Januar, 19 - 21 Uhr: Eröffnung + Book-Release Aram Bartholl – The Speed Book, Gestalten-Verlag, 2012


Performance "How to Vacuum Form" von Aram Bartholl zum Kontext der digitalen Do-it-yourself-Bewegung

19:30 Uhr: Buchvorstellung von Bartholls erster Monographie Aram Bartholl – The Speed Bookstatt, die im Gestalten Verlag erscheint. Der Autor, Kunstkritiker und Kurator Domenico Quaranta wird in das Buch einführen.


Ausstellung: 28. Januar – 10. März 2012


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[DAM]Berlin zeigt die erste Einzelausstellung des in Berlin lebenden Künstlers Aram Bartholl (*1972, Bremen), dessen Arbeiten einen spannungsreichen Dialog zwischen Online- und realem Leben führen. Bartholl war 2011 in Ausstellungen im MoMA, New York, und der New Yorker Pace Gallery und [DAM]Cologne vertreten.

 

Seine Arbeiten treffen den Puls der Zeit, sie basieren nicht auf dem reinen Betrachten eines künstlerischen Gegenstandes, sondern leben von den Denkanstößen, die Aram anregt, und von dem anschließenden Eigenleben, das seine Projekte durch die teilnehmenden Menschen entwickeln. Seine Interventionen im öffentlichen Raum, seine in der Tradition von Ready-mades stehenden Installationen und Skulpturen basieren auf Do-it-yourself-Kultur – nicht im Sinne von Dilettantismus, sondern von Eigengestaltung und Eigenverantwortung – sowie den populären Wahrzeichen des Internets, mit denen Bartholl uns überraschend in der Realität konfrontiert.

Seine Arbeiten verorten sich nicht vollständig im Kontext des Digitalen: zu sehr beschäftigen sie sich mit Raum, zu haptisch ist ihr Ansatz, und zu sehr schwingt das Bewusstsein potentieller politischer Wirksamkeit in ihnen mit - sie drängen nach draußen, in den Stadtraum, in die Gesellschaft.

Dinge, die uns im Internet inzwischen völlig alltäglich erscheinen, irritieren, sobald sie uns in der physischen Welt begegnen: In der Arbeit Are you human? wird ein CAPTCHA-Code, von Webdiensten zur Unterscheidung von menschlichen Anfragen und automatisierten Skripts genutzt, in Aluminium an Häusermauern oder Galeriewände appliziert. Ein Bildschirm mit aufleuchtenden Pixeln entpuppt sich als kerzenbetriebenes, selbstgebautes Bierdosen-Objekt. Subtil und doch treffend legt Bartholl in seinen Arbeiten Machtdiskurse der digital geprägten Welt offen, so z. B. in seinem erfolgreichen, vielzitierten Projekt DeadDrops, in dem sich in die Wände der Stadt eingemauerte USB-Sticks dem Datenaustausch über die Strukturen von Großunternehmen im Internet verweigern.

 

„Im Netz entwickelt sich alles extrem schnell. Ich habe das Bedürfnis, etwas zu schaffen, was sich um dieses Thema dreht, aber trotzdem Bestand hat“, so Aram Bartholl über Entdigitalisierung des Digitalen. An der Schnittstelle von Installationen, Urban Intervention und interaktiver Performance fragt er grundlegende sozialkritische Fragen, denkt über unser kulturelles Gedächtnis nach. Die rasanten Entwicklungen des digitalen Zeitalters werden in seinen Arbeiten abgebremst, ihrer technologischem Anziehungskraft entledigt und der bewussten Betrachtung ausgesetzt.

So zum Beispiel sein neues Großprojekt Dust: Hier möchte er die meistgespielte Computerspielumgebung der Welt aus dem Spiel Counter Strike in ein begehbares 1:1 Modell aus Beton übertragen - einen virtuellen Raum, den Millionen Menschen besucht und in ihrem Gedächtnis verankert haben, den aber noch nie jemand betreten konnte, in einem realen Monument zu manifestieren.

 

Mit einer in der Ausstellung erstmals gezeigten Performance und Installation wendet sich Bartholl, der sich in netzpolitischen Kreisen wie dem Chaos Computer Club bewegt, dem Symptom einer bereits vorhandenen Grenzüberschreitung von digitaler und analoger Welt zu: der Anonymous-Bewegung und ihren charakteristischen, auf einem Kultkomik basierenden Guy-Fawkes-Masken, die sich die Bewegung als Erkennungszeichen sowie Identitätsschutz angeeignet und die unter anderem im Kontext von Bürgerbewegungen wie Occupy Wallstreet starke Medienpräsenz hat.

In der Anonymous-Bewegung spiegelt sich die Idee eines freien, netzbasierten Informations- und Kreativitätskollektivs – eine Art globales Gehirn -, das ohne hierarchische Organisation, ohne determinierter Identität politische Handlungsfähigkeit entwickelt.


Seine Projekte navigieren spielerisch zwischen unseren digital-analogen Welten und überwinden diese scheinbar mühelos, indem sie insbesondere digitale Elemente aus der Enge unserer Internet- oder anderweitig Bildschirmbasierten und digital vermittelten Erfahrungen heraus-, und hinein in unsere körperlich gelebten analogen Leben bringen. Seine Fähigkeit, diese erstaunlichen Momente der Computermagie hervorzurufen, sind bemerkenswert. Seine Werke sind einnehmend, fesselnd, überraschend, subtil und anspruchsvoll. Seine Werke tragen eindeutig eine eigene Handschrift und stammen vollständig aus seiner Zeit und Kultur. Er bewegt sich nahtlos von monumentalen zu persönlichen oder intimen Größenordnungen, und erfasst dabei alle dazu gehörenden Emotionen und Techniken der ästhetischen Konzepte.

Unsere digitalen/analogen Leben und Welten verlaufen gleichzeitig... Vielleicht können wir nun, mit Hilfe von Künstlern/Kuratoren wie Aram Bartholl, beginnen, eine komplexere, sich überlagernde, verflochtenere und realistischere Weltsicht anzuerkennen, in der all den ernsthaft lustigen, kategorisch undichten, chaotisch digitalen, und wunderbar widersprüchlichen Momenten, die wir erleben, während wir unsere Leben navigieren, durch Projekten begegnet werden kann, die anerkennen und realisieren, was es heißt, in unseren spezifischen technologischen Zeiten lebendig zu sein.“

 

Jon Cates, Kurator, Zitat aus seinem Artikel Digital<>Analog, Aram Bartholl and New Media Art IRL [In Real Life, Anmerk. der Galerie], aus dem Buch Aram Bartholl - The Speed Book, 2012


Die Ausstellung ist Teil des Partnerprogramms der Transmediale 2012.