[DAM]Berlin präsentiert die dritte Einzelausstellung des amerikanischen Künstlers Casey Reas, einer der Hauptvertreter der Software-Kunst.
Der Titel der Ausstellung, CENTURY, bezieht sich auf einen neuen Werkkomplex, in welchem sich Reas von denjenigen Kunstwerken des 20. Jahrhunderts inspirieren lässt, die ihn am stärksten beeinflusst haben.
Neben den bei [DAM]Berlin ausgestellten Prints wird auch die Open-Source Software mit dem Titel CENTURY (2012 -) als Projektion zu sehen sein. Für dieses Work-In-Progress Projekt verarbeitet der Künstler 100 für ihn relevante, kunstgeschichtliche Werke, denen er in Form von Visualisierungen und auf Algorithmen basierenden Kompositionen Ausdruck verleiht. Das abgeschlossene Werk reflektiert so ein Jahrhundert an Kunstgeschichte.
„In den letzten beiden Jahren haben sich meine Arbeiten von sich entwickelnden Formen weg bewegt hin zu genauer definierten Choreografien und Kompositionen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt aber immer noch darauf, mit Systemen zu arbeiten und durch das wiederholte Durchlaufen dieser Systeme Ideen und Formen zu entdecken. Die Ausstellung CENTURY beschäftigt sich mit meiner Besessenheit in Bezug auf die Kunst der letzten 100 Jahre. Ich bin sehr stark durch konkrete, nicht gegenständliche und konstruktivistische Arbeiten beeinflusst worden und die Software, die ich für diese Ausstellung geschrieben haben, baut direkt auf diesen Werken auf.“ Casey Reas, August 2012.
Not by default - Post Internet Art aus Berlin
Niko Princen (NL)
anschließ. ab 17 Uhr Sommerfest in der Galerie mit Grillen
Künstlergespräch während der Berlin Art Week:
Dienstag, 11. September, 19 Uhr
mit den beteiligten Künstlern und Gästen zum Thema:
Post Internet Art, Moderation: Wolf Lieser
Für die Ausstellung NOT BY DEFAULT wurden junge Berliner Künstler eingeladen, die sich in erster Linie auf das Internet als Dreh- und Angelpunkt einer digitalen Kultur beziehen. Sie alle vertreten die Generation der ‚digital natives‘ und produzieren ihre Kunst im Kontext einer Online-Community, beziehen also ihre Inspirationsquellen als auch ihre Präsentationsplattformen fast ausschliesslich aus dem Netz. Der Begriff ‚Post Internet Art‘ wurde für diese Ausstellung gewählt, um eine neue Ära zu beschreiben, in der vor allem diejenigen, die mit dem Internet groß geworden sind, die Implikationen und Gepflogenheiten einer digitalen Kultur reflektieren und durch ungewöhnliche Anwendung des Gewöhnlichen – NOT BY DEFAULT – neue Sichtweisen aufzeigen. Diese Kunst äußert sich keineswegs in rein digitalen Formaten, sondern ist raumgreifend, haptisch, politisch, drängt heraus aus der Galerie, hinein in die Stadt, in die Gesellschaft.
Constant Dullaart zeigt seine Arbeit Hard Crystal Display, 2012, eine Serie von Monitoren kombiniert mit Formen aus geschliffenem Kristallglas, z. B. Fächern, wie man sie als Sammelobjekte findet. Auf den ersten Blick sieht die Arbeit aus wie ein 3D-Objekt oder ein Hologramm, aber bei genauerem Hinsehen lässt die Glasware, die einfach auf die heilige Oberfläche des Monitors aufgeklebt ist, das Bild aussehen wie nach einer Bearbeitung mit einem komplizierten digitalen Filter. Dullaart vergleicht die transformierende Qualität von Glas oder Linsen mit der transformierenden Qualität des Internets als ein Fenster.
In Dullaarts Video In Your Office, 2011, beobachtet man den Künstler dabei, wie er kontinuierlich 8 weiße, in einem Kreise auf dem Fußboden angeordnete Teller verschiebt. Das Video ist auf YouTube zu finden und jeder, der bereits einmal versucht hat, ein YouTube-Video zu laden, wird in der Performance sofort das Nachstellen des Ladesymbols bestehend aus einem weißen Kreis erkennen. Selbstreferentiell, trocken und mit ironischem Unterton ist In Your Office nicht nur ein Insider-Witz, sondern vermenschlicht das Interface durch die kleine Bricolage-artige Geste der Entfremdung. Für Dullaart ist diese Arbeit eine Hommage für all die Nutzer, die jeden Tag Inhalte für YouTube kreieren und online stellen. Aber sie ist ebenso ein Kommentar, um uns das selbstverständlich Gewordene unserer digitalen Gewohnheiten vor Augen zu führen.
Auch Jaakko Pallasvuo widmet sich formal gesehen der populistischen Ästhetik der Internet-Kultur. Seine YouTube-Videos verwehren sich einer herkömmlichen Kunstästhetik und propagieren vielmehr einen 'schlechten Geschmack'. In Some Men Are Islands, 2012, bewegen sich Texte über die Screen, Überblendungen und Wischeffekte bestimmen den Schnitt, Filter rufen graphische Verzerrungen und wilde Musterbildung hervor. Die Zusammensetzung seiner Filme erfolgt bruchstückartig, es gibt weder eine narrative Struktur, noch eine Resolution, das Ende kommt abrupt.
In Pallasvuos Videos wird immer wieder die Sinnfrage künstlerischer Produktion behandelt. Von Selbstzweifeln über damit einhergehenden Ängsten bis hin zu erlebten Niederlagen seines Versuchs, als Künstler seinem Anspruch zu genügen, scheut er vor keiner Peinlichkeit zurück.
Ignacio Uriartes Werk hingegen hat erst einmal garnichts mit digitaler Kultur zu tun. Er hat eine ganz eigene künstlerische Sprache entwickelt und sein Handlungsspielfeld ziemlich genau eingegrenzt, indem er sich ausschließlich der Utensilien des gewöhnlichen Büroalltags als Ausdrucksmittel bedient. Uriarte macht Kunst aus A4 Blättern, Kugelschreibern, Excel-Dateien, Schreibtischen und Papierkörben – banale, aus dem Büro-Kontext entliehene Alltagsgegenstände, die er streng formal in Form diverser Materialstudien arrangiert. In dem Triptychon Diagonal Labyrinths, 2012 sehen wir über die drei Oberflächen verteilt zwei Dreiecke, ein rotes und ein schwarzes, die jeweils aus einer zusammenhängenden Linie in einer Excel-Datei gezeichnet sind, so dass ein labyrinthartiges Muster entsteht. In der Wandinstallation Copied document, 2010, sind etliche, leicht versetzte A4 Blätter in einer Diagonalen arrangiert. Darüber sagt der Künstler folgendes:
"Wenn man in der digitalen Welt mehrere Fenster öffnet oder ein Objekt vervielfältigt, werden die Fenster/Objekte leicht versetzt nach rechts unten so hintereinander arrangiert, dass der User alle gleichzeitig sehen kann. Die Installation versetzt das digitale Phänomen zurück in die physische Welt aus der es ursprünglich kam."
Das Thema in Ana García-Pinedas Zeichnung Interpyramid, 2012 ist die Geschichte der Zivilisationen oder vielmehr die Art und Weise, wie diese in unserem kollektiven Gedächtnis fortleben. Für ihre Recherche benutzt sie die Google-Bildersuche und macht sich die unendlichen, absurden Verlinkungen zu eigen, die die Suchmaschine generiert. Die verschiedenen Zivilisationen werden in der Zeichnung in ironischer, geradezu comic-hafter Manier miteinander in Beziehung gesetzt, eine Figur verschlingt die andere oder versucht, an die Spitze der Pyramide zu gelangen. Dabei posieren die sympolhaften Charaktere für den Betrachter.
Tobias Leingruber führt mit seinem Projekt Social ID Bureau, 2012, erstmals Facebook-Ausweise für das 'echte Leben' ein und kommentiert so die beunruhigende Macht auf unsere Privatsphäre, die dem Social Network Giganten zu eigen ist. Während der Eröffnung wird der Künstler selbst das Ausstellen eines Ausweises anbieten, vorausgesetzt die interessierte Person ist bei Facebook registriert.
Niko Princen verbindet in seiner Online-Arbeit Stock Images die Daten diverser Aktienmärkte mit Bildern von Gesichtern, die über Suchresultate von Google zusammengestellt werden. Die Abstraktion der Börsenbewegungen bekommt somit wieder ein "Gesicht", verweist darauf, dass jede Bewegung von Menschen gemacht ist und Menschen betrifft. In der Beliebigkeit der Auswahl der Gesichter spiegelt sich das Gefühl des Ausgeliefertsein der meisten Menschen gegenüber den Auswirkungen des Börsenhandels wider: es kann jeden treffen, selbst wenn er gar nicht in Börsengeschäfte involviert ist.
Evan Roth (* 1978, USA), Gründer des Graffiti Research Labs, zeigt aus der Serie Multi-Touch Finger Paintings Prints sowie die an Readymades erinnernden Kunstobjekte der Propulsion Paintings. Eelco Brand (* 1969, Rotterdam) präsentiert zwei weitere Variationen seiner 3D-Animationsfilme, T.movie und I.movie, in denen er auf die für den Künstler so typische Weise scheinbar die Natur nachahmt, sie beim erneuten Hinschauen jedoch ins Absurde führt und auf ironische Weise überhöht. Ebenfalls Meister der 3D-Kunst ist auch Gerhard Mantz (* 1950, Neu-Ulm) mit zwei großformatigen Prints in der Ausstellung vertreten. Mit Dune (2011) und Christobal (2010), beide aus der Serie Abstraction, führt er die Auseinandersetzung mit Farbe, Form und Licht aus der Perspektive der Malerei weiter. Marius Watz (*1973, Norwegen) stellt seine neue Serie Probability Lattice (2012) vor, fünf mit einem 3D-Drucker gefertigte abstrakte, architektonisch anmutende Mikro-Skulpturen. Seine ebenfalls ausgestellten ArcSurf Drawings (2012) basieren auf selbst geschriebenen Algorithmen, die die virtuellen Formprozesse per Laserdruck auf MDF einbrennen.
Joan Leandre
Blind Sequence Trust

Eröffnung: Fr., 16. März, 19-21 Uhr
Der Künstler ist anwesend.
Ausstellung: 17. März - 5. Mai 2012
Videos (In the Name of Kernel Series!)
[DAM] Berlin zeigt in einer Einzelausstellung 2 neue Filme des spanischen Videokünstlers Joan Leandre (geb. 1968). Leandre bezeichnet sich selbst als "Media Interpreter", er hackt kommerzielle Computerspiele bzw. die Spieleumgebungen. Er erschafft kraftvolle Filmcollagen mit narrativen Elementen, bei denen er ausschließlich Bestandteile der Computerspiele verwendet. Leandre taucht tief in den Code aller Arten von Image-Software hinein: von einfachen Videospielen zu Flugsimulatoren oder sogar hochentwickelten militärischen Kriegsspielen. Er verändert ihre Funktionalität und verwandelt populäre Technologie in ihrer banalsten Verwendung in eine merkwürdige, unter die Haut gehende Erfahrung, eine Mission zum Unbekannten oder auch in eine ruhelose Reise ohne Schwerkraft. Seine Filme lehnen sich auf gegen eine mächtige Bildmaschinerie, gegen Gleichförmigkeit und Massenkonsumverhalten. Er stellt synthetische Bilderwelten zu hypnotischen, an archaische Traumbilder erinnernden Filmstücken zusammen.
Die beiden neuen Filme werden als Projektionen gezeigt. Sie sind Teil der Serie In the Name of Kernel, an der Leandre seit über 5 Jahren arbeitet. Der Kernel ist der Kern eines jeden Betriebssystems, in dem die Prozess- und Datenorganisation festgelegt ist. Der Titel der Serie verweist bereits darauf, dass Leandre in das Herz der Systeme hineinschaut, kein einfacher Computertourist, der sich mit dem Pauschalangebot und der einfachen Benutzeroberfläche zufrieden gibt. Auch sonst ist Leandre ein Freund der Extreme: Seine zweite Leidenschaft ist Bergsteigen, bei dem er unmittelbare Naturerfahrung und das Austesten körperlicher Grenzen verbindet. Seine Kunst spiegelt auch diesen Willen zur Grenzerfahrung wider, seine Suche nach Tiefgang, die den Trends zum schnellen und widerstandslosen Konsum in der Gesellschaft gegenübersteht. Und so thematisieren seine Arbeiten auch die Isolation der Menschen von den grundlegenden Elementen des Lebens.
In der Ausstellung werden in einem separaten Raum auch die früheren Arbeiten Leandres aus der Serie In the Name of Kernel gezeigt: das auf einem Flugsimulator basierende Video Iron Bird sowie die Arbeiten Lonely Record Sessions (2009), Lonely Record Rooms (2010), Magic Line (2010), Paralax Paradox (2011).
Seit 1993 ist Joan Leandre Mitglied der OVNI Archives (Observatory of Non Identified Video). Seine Werke wurden in zahlreichen internationalen Museen und Festivals ausgestellt, darunter im Centre George Pompidou, Paris, im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid, im ZKM, Karlsruhe, auf der Whitney Biennale und der Ars Electronica. Er lebt und arbeitet in Barcelona.
Aram Bartholl
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27. Januar, 19 - 21 Uhr: Eröffnung + Book-Release Aram Bartholl – The Speed Book, Gestalten-Verlag, 2012
19:30: Performance How to Vacuum Form von Aram Bartholl
+ Buchvorstellung durch Domenico Quaranta (Autor und Kurator)
Ausstellung: 28. Januar – 10. März 2012
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[DAM]Berlin zeigt die erste Einzelausstellung des in Berlin lebenden Künstlers Aram Bartholl (*1972, Bremen), dessen Arbeiten einen spannungsreichen Dialog zwischen Online- und realem Leben führen. Bartholl war 2011 in Ausstellungen im MoMA, New York, und der New Yorker Pace Gallery und [DAM]Cologne vertreten.
Seine Arbeiten treffen den Puls der Zeit, sie basieren nicht auf dem reinen Betrachten eines künstlerischen Gegenstandes, sondern leben von den Denkanstößen, die Aram anregt, und von dem anschließenden Eigenleben, das seine Projekte durch die teilnehmenden Menschen entwickeln. Seine Interventionen im öffentlichen Raum, seine in der Tradition von Ready-mades stehenden Installationen und Skulpturen basieren auf Do-it-yourself-Kultur – nicht im Sinne von Dilettantismus, sondern von Eigengestaltung und Eigenverantwortung – sowie den populären Wahrzeichen des Internets, mit denen Bartholl uns überraschend in der Realität konfrontiert.
Seine Arbeiten verorten sich nicht vollständig im Kontext des Digitalen: zu sehr beschäftigen sie sich mit Raum, zu haptisch ist ihr Ansatz, und zu sehr schwingt das Bewusstsein potentieller politischer Wirksamkeit in ihnen mit - sie drängen nach draußen, in den Stadtraum, in die Gesellschaft.
Dinge, die uns im Internet inzwischen völlig alltäglich erscheinen, irritieren, sobald sie uns in der physischen Welt begegnen: In der Arbeit Are you human? wird ein CAPTCHA-Code, von Webdiensten zur Unterscheidung von menschlichen Anfragen und automatisierten Skripts genutzt, in Aluminium an Häusermauern oder Galeriewände appliziert. Ein Bildschirm mit aufleuchtenden Pixeln entpuppt sich als kerzenbetriebenes, selbstgebautes Objekt, das mit Thermik statt mit Elektronik funktioniert. Subtil und doch treffend legt Bartholl in seinen Arbeiten Machtdiskurse der digital geprägten Welt offen, so z. B. in seinem erfolgreichen, vielzitierten ProjektDeadDrops, in dem sich in die Wände der Stadt eingemauerte USB-Sticks dem Datenaustausch über die Strukturen von Großunternehmen im Internet verweigern.
„Im Netz entwickelt sich alles extrem schnell. Ich habe das Bedürfnis, etwas zu schaffen, was sich um dieses Thema dreht, aber trotzdem Bestand hat“, so Aram Bartholl über Entdigitalisierung des Digitalen. An der Schnittstelle von Installationen, Urban Intervention und interaktiver Performance fragt er grundlegende sozialkritische Fragen, denkt über unser kulturelles Gedächtnis nach. Die rasanten Entwicklungen des digitalen Zeitalters werden in seinen Arbeiten abgebremst, ihrer technologischem Anziehungskraft entledigt und der bewussten Betrachtung ausgesetzt.
So zum Beispiel sein neues GroßprojektDust: Hier möchte er die meistgespielte Computerspielumgebung der Welt aus dem Spiel Counter Strike in ein begehbares 1:1 Modell aus Beton übertragen - einen virtuellen Raum, den Millionen Menschen besucht und in ihrem Gedächtnis verankert haben, den aber noch nie jemand betreten konnte, in einem realen Monument zu manifestieren.
Mit einer in der Ausstellung erstmals gezeigten Performance und Installation wendet sich Bartholl, der sich in netzpolitischen Kreisen wie dem Chaos Computer Club bewegt, dem Symptom einer bereits vorhandenen Grenzüberschreitung von digitaler und analoger Welt zu: der Anonymous-Bewegung und ihren charakteristischen, auf einem Kultkomik basierenden Guy-Fawkes-Masken, die sich die Bewegung als Erkennungszeichen sowie Identitätsschutz angeeignet und die unter anderem im Kontext von Bürgerbewegungen wie Occupy Wallstreet starke Medienpräsenz hat.
In der Anonymous-Bewegung spiegelt sich die Idee eines freien, netzbasierten Informations- und Kreativitätskollektivs – eine Art globales Gehirn -, das ohne hierarchische Organisation, ohne determinierter Identität politische Handlungsfähigkeit entwickelt.
„Seine Projekte navigieren spielerisch zwischen unseren digital-analogen Welten und überwinden diese scheinbar mühelos, indem sie insbesondere digitale Elemente aus der Enge unserer Internet- oder anderweitig Bildschirmbasierten und digital vermittelten Erfahrungen heraus-, und hinein in unsere körperlich gelebten analogen Leben bringen. Seine Fähigkeit, diese erstaunlichen Momente der Computermagie hervorzurufen, sind bemerkenswert. Seine Werke sind einnehmend, fesselnd, überraschend, subtil und anspruchsvoll. Seine Werke tragen eindeutig eine eigene Handschrift und stammen vollständig aus seiner Zeit und Kultur. Er bewegt sich nahtlos von monumentalen zu persönlichen oder intimen Größenordnungen, und erfasst dabei alle dazu gehörenden Emotionen und Techniken der ästhetischen Konzepte.
Unsere digitalen/analogen Leben und Welten verlaufen gleichzeitig... Vielleicht können wir nun, mit Hilfe von Künstlern/Kuratoren wie Aram Bartholl, beginnen, eine komplexere, sich überlagernde, verflochtenere und realistischere Weltsicht anzuerkennen, in der all den ernsthaft lustigen, kategorisch undichten, chaotisch digitalen, und wunderbar widersprüchlichen Momenten, die wir erleben, während wir unsere Leben navigieren, durch Projekten begegnet werden kann, die anerkennen und realisieren, was es heißt, in unseren spezifischen technologischen Zeiten lebendig zu sein.“
Jon Cates, Kurator, Zitat aus seinem Artikel Digital<>Analog, Aram Bartholl and New Media Art IRL [In Real Life, Anmerk. der Galerie], aus dem Buch Aram Bartholl - The Speed Book, 2012
Die Ausstellung ist Teil des
Partnerprogramms der Transmediale 2012.
Hans Dehlinger, Jean-Pierre Hébert, Manfred Mohr, Vera Molnar, Frieder Nake, Casey Reas, Roman Verostko, Mark Wilson
19:30 Uhr Einführung in die Ausstellung durch Wolf Lieser
Hans Dehlinger und Mark Wilson werden bei der Eröffnung anwesend sein.
Ausstellung 19. November 2011 – 21. Januar 2012
Weihnachtsferien: 20. Dezember 2011 – 7. Januar 2012
Gespannte Fäden, eine großflächige Wandgestaltung, filigrane Zeichnungen - Galerie [DAM] Berlin lädt ein, sich in der Ausstellung Think Line 2 auf eine erweiterte Form des Zeichnens mittels eines Algorithmus einzulassen. Von großformatigen bis zu kleinen Arbeiten sind Werke aus einem Spektrum von 40 Jahren Medienkunst zu sehen. Einigen Arbeiten ist das niedergeschriebene Konzept des Künstlers über das jeweilige Werk zur Seite gestellt. Es ermöglicht dem Betrachter, Bezüge und unterschiedliche Umsetzungsmöglichkeiten nachzuvollziehen.
Vera Molnar greift in der Installation Rechteckweg eine Idee, einen Algorithmus, aus dem Jahr 1997 auf und führt diese Arbeit erstmals als 3 x 3 m große Installation aus einem Wollfaden aus. Rechteckweg folgt den Gesetzen konkreter Kunst, öffnet aber das strenge Konzept durch die Wahl eines organischen Materials." A line is a dot that went for a walk" (Paul Klee) - nachdem der Faden seinen langen geometrischen Weg zurückgelegt hat, bleibt sein Ende weich und formlos auf dem Boden liegen.
Casey Reas zeigt eine ca. 4 x 3 m große Wandgestaltung, die auf der Serie Tissue basiert. Diese Serie ist eine ursprünglich interaktive Software aus dem Jahr 2002, bei der der Betrachter durch Setzen von Punkten auf einem Bildschirm die Bewegung der Linien beeinflussen kann. Die Linien zeichnen feine Gebilde auf Basis der Bewegung von tausenden, synthetischen neuralen Systemen.
Manfred Mohr stellt in der Ausstellung 3 kleine Plotterzeichnung aus den frühen 1970er Jahren aus, die noch vor seiner Beschäftigung mit dem Würfel entstanden. Die Arbeiten sind erstmalig weltweit zu sehen.
Hans Dehlinger zeigt neue große Plotterzeichnungen aus der Serie der "unscharfen" Bilder, in denen sich durch überlappende Strukturen aus feinen Linien für das menschliche Auge ein irritierender Eindruck von Unschärfe einstellt.
Die Papierarbeiten von Mark Wilson sind aus feinen geometrischen Strukturen aufgebaut, die sich vielschichtig überlagern. Dadurch entsteht ein dichter Formteppich, den Wilson in leuchtenden kontrastreichen Farben gestaltet. In der Ausstellung werden neue Arbeiten von ihm gezeigt sowie ein ca. 2 m langes Bild, das in diesem Sommer in der Ausstellung Ornamental Structures in der Stadtgalerie Saarbrücken zu sehen gewesen ist.
Seven Sisters - The Pleiades ist eine Serie von 7 farbigen Plotterzeichnungen, die Roman Verostko, inspiriert von den Plejaden im Sternzeichen des Stiers, in seinem typischen fernöstlich anmutenden Stil angefertigt hat. Er benutzt Blattgold oberhalb der Plotterzeichnung um die Natur eines strahlenden Sterns zu betonen. Aus dieser Familie von sieben ähnlichen „Schwester-Formen“ werden in der Ausstellung 2 Arbeiten zu sehen sein.
Ebenfalls durch die fernöstlichen Meister inspiriert sind die filigranen Plotterzeichnungen von Jean-Pierre Hébert. Seine typischen abstrakten, dichten Strukturen finden zwar in der Natur ihren Ursprung, aber auch sie sind das Resultat eines klar definierten Konzeptes.
Frieder Nake, der als einer der Vorreiter diese Kunstform schon 1965 zusammen mit Georg Nees ausstellte, ist mit einigen seiner ersten Arbeiten vertreten.



















