Aram Bartholls Werk bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Internet, Kultur und Realität. Die vielfältigen Kommunikationskanäle sind selbstverständlich geworden, doch wie beeinflussen uns diese? Gemäß des Paradigmenwechsels der Medienforschung fragt Bartholl nicht nur, was der Mensch mit den Medien macht, sondern auch in wie weit die Medien den Menschen verändern. Das Spannungsverhältnis von öffentlich und privat, online und offline, von Technologieverliebtheit und Alltagsleben ist Kern seines Schaffens. In Form von Interventionen und Installationen im öffentlichen Raum untersucht Bartholl die Wirkung, wenn Bestandteile der digitalen Welt mit der Realität zusammentreffen. “Es geht eigentlich immer um das gebaute Objekt, wie es dasteht im Raum, oder um die Performance selbst. Dinge tatsächlich vor Ort zu zeigen, ist das Wichtigste.”
Dies vermag er auf unterschiedlichste Art und Weise umzusetzen. Map (2006-10) ist eine Installation im öffentlichen Raum. Die sechs Meter hohen, roten Pfeile sind Google-Maps-Markierungen des Stadtzentrums und stellen somit die virtuell, von Geolocation-Services definierte Mitte einer Stadt dar.
Mit der viel diskutierten, erfolgreichen Arbeit DeadDrops (2010) wird Bartholl im Sommer 2011 an der Ausstellung Talk to Me des MoMA in New York teilnehmen. Der Aspekt der Intervention spielt bei dem Projekt eine besondere Rolle. Um ein gemeinsames Netzwerk zu schaffen, bei dem jedermann offline private Daten austauschen kann - ohne dabei von großen kommerziellen Unternehmen ausspioniert zu werden oder Opfer von Datenspeicherung oder -verkauf zu werden -, werden USB-Sticks an öffentlichen Plätzen wie Wänden oder Bordsteinen so angebracht, dass ein Laptop für den Datenaustausch angeschlossen werden kann.
Auch OPEN INTERNET aus dem Jahr 2011 ist eine Intervention im öffentlichen Raum, bei der der Künstler zum mobilen Provider eines Internetzugangs wird und dafür, behangen mit zwei Leuchtreklameschildern “OPEN” und “INTERNET”, durch New York geht, um Interessierten über sein Mobiltelefon Internetzugang zu gewähren.
Weitere wichtige Aspekte sind die Vergänglichkeit im Netz und auch die Vergänglichkeit der eigenen Arbeiten: “Im Netz entwickelt sich alles extrem schnell und ich habe das Bedürfnis, etwas zu schaffen, was sich um dieses Thema dreht, aber trotzdem Bestand hat. Beziehungsweise einfach mal die Dinge in die alte, physische Welt, in der wir leben, also die köperliche herüberzubringen.”
Für de_dust (2004) baute Bartholl eine Kiste aus dem Spiel Counterstrike nach und plazierte sie in einer Fußgängerzone. Während die Kiste in dem Computerspiel auch nur noch ein optisches Gestaltungselement darstellt, wirkt sie in der Realität sinnentleert und aufgrund ihrer pixeligen Oberfläche wie ein Fremdkörper. Trotzdem ist sie fester Bestandteil eines kollektiven kulturellen Gedächtnisses, da Counterstrike täglich weltweit von Millionen Menschen gespielt wird
Bartholls Google Portrait Series (2006-2011) sind gezeichnete QR-Codes, die die URL zur Google-Suche nach “Aram Bartholl” enthalten. Auf diesem Weg “modernisiert” er das Jahrhunderte alte Genre des Porträts auf ungeahnte Weise und hinterfragt gleichzeitig die heutige Auffassung von Persönlichkeit und Identität.
Bartholl gelingt es den Betrachter durch eine oftmals ironische oder witzige Komponente für ein Thema sensibilisieren ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Dabei vermeidet er es plakativ zu sein und lässt alle Interpretationsmöglichkeiten offen.
Neben zahlreichen Workshops und Performances wurden seine Arbeiten u. a. ausgestellt im Portsmouth Museum of Art, USA, Eesti Kunstmuusem in Tallin, NIMK Netherlands Media Arts Institute in Amsterdam, Eyebeam New York, Kunsthal Amersfoort (Niederlande), FACT Liverpool und im Kunstverein Hamburg. Aram Bartholl ist Mitglied der Künstlergruppe “F.A.T. Lab” (“Free Art and Technology Lab”). Er lebt und arbeitet in Berlin.






