Gazira Babeli ist Performancekünstlerin und Filmemacherin und sie existiert in einer virtuellen Welt. 2006 wird Babeli in der 3-D Infrastruktur “Second Life” “geboren” und schafft seither Filme und Performances, die auch in der “Real World” ausgestellt werden können. Ihre Existenz ist ein Spiel mit dem Mythos um die reale Person die sich hinter ihr verbirgt. Doch so unfassbar die “reale” Babeli ist, so unkategorisierbar bleibt auch ihr Avatar. Babeli überschreitet beständig Grenzen, sie ist Kunstwerk und Künstlerin zugleich, ihr Rohstoff das eigene, virtuelle Selbst. Sie ist nicht nur in Second Life eingeschriebener Code, sie schreibt den Code von Second Life selbst um: viele ihrer Kunstprojekte bestehen aus Manipulationen der Erscheinungswelt von Second Life, der virtuellen Natur: Tornados sind ebenso programmierbar wie einfache Oberflächenveränderungen. Zwischen Programmierbarkeit und performativem Handeln sieht sie keinen Unterschied mehr.

 


 

Als Avatar kann Babeli einen produktiven Einfluss auf die sie umgebende Welt und andere Avatare nehmen, der im “Real Life” niemals in diesem Ausmaß denkbar wäre. Kunst bekommt hier die Macht des Möglichen. Babeli spielt mit den Grenzen des Fassbaren, reflektiert aber auch die Allmachtsfantasien des Menschen in Bezug auf die ihn umgebende Realität. Zugleich konfrontiert sie die Avatare, die ihren Performances beiwohnen mit dem Gefühl des Kontrollverlustes über sich selbst, wenn sie deren Reaktionen manipuliert. Die Virtuelle Welt dient ihr dabei als Versuchsfeld, die nachgestellte, kontrollierbare Realität in Second Life dient der Künstlerin zur Erforschung möglichen Handelns und alternativer Lebensweisen. Dabei sind ihre Arbeiten durchaus als provokativ zu bezeichnen.

 


 

In der Performance ”Hammering the Void” die 2009 auch in der Galerie [DAM]Berlin zu sehen war, sieht sich der Betrachter einer kleinen Armee Gazira Babelis gegeüber: 14 Klone der Künstlerin, mit sprechenden Namen wie “Greed Petrovic”, “Sloth Swansong” und “Temperance Navarita” attakieren die Avatare der Besucher der virtuell nachgestelltén Ausstellung mit Hämmern, zwingen sie zur Reaktion.

 

In der Installation “Gaz Of The Desert” begegnet der User Bildern alter bekannter Künstlergrößen wie Francis Bacon, Duchamp und Warhol. Doch hier ist er kein passiver Betrachter, er wird regelrecht angegriffen von der lebendig gewordenen Kunst, die eine Auseinandersetzung einfordert: Die Betrachtung der Bilder Bacons zum Beispiel führt dazu, dass sich der virtuelle Körper des Besuchers verformt, andere Bilder schleudern ihn herum oder verändern sich selbst durch Erdbeben und andere Naturkatastrophen, die Babeli kurzerhand programmiert hat.

 

Gazira Babelis Arbeiten wurden in Ausstellungen in und ausserhalb von Second Life gezeigt, wie die Ausstellung HOLY FIRE - Art of the digital age, in Brüssel. Sie ist Mitglied der in Second Life gegründeten Künstlervereinigung Second Front und Teil der Künstlergemeinde Odyssey, die ebenfalls in Second Life angesiedelt ist.