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"Obwohl ich zum Maler ausgebildet wurde und zunächst einige Jahre mit Farbe und Leinwand gearbeitet habe, erkannte ich bald, dass mich der Entstehungsprozess eines Kunstwerks viel mehr beeindruckte als das fertige Objekt. Jedes Bild, dass ich angefertigt hatte, habe ich aus dem Blickwinkel seiner Evolution betrachtet und vor allem die vielen Momente der Kreation und Destruktion genossen, die in diesen Prozess einfliessen. 1995 begann ich mich der Computersoftware als Medium zuzuwenden und entdeckte, dass ich mit diesem Werkzeug in der Lage bin Kunst herzustellen, die sich in einem ständigen Prozess des Wandels befindet, sich stets weiterentwickelt, immer das Potential der Veränderung beibehält und niemals zu einem endgültigen Objekt erstarrt. Seit dieser Erkenntnis habe ich nicht mehr gemalt. Wenn ich heute Kunst mit dem Computer kreiere, erforsche ich Zeit, Bewegung, Übergänge und Wirkungskräfte. 

Mit der rasanten Entwicklung digitaler Median leben und navigieren wir immer häufiger Welten, die aus Engerie bestehen: elektrische, magnetische und Lichtenergie. Digitale Medien durchdringen unser Leben wie nie zuvor. In dieser Umgebung wird Macht nicht mehr durch physikalische Objekte repräsentiert, sondern durch das Fortdauern von Ideen im kollektivem Bewusstsein der Medien.

In meiner Arbeit untersuche ich die Aufregung und Angst, die mit diesem Moment des Übergangs verbunden sind. Meine Arbeiten beginnen meist mit einer Frage. Wenn das Internet durch eine Flagge repräsentiert würde, wie würde diese aussehen? Gibt es in der Welt des Digitalen so etwas wie Verfall? Wie würde ein Denkmal in einem Raum, der aus Software gebaut ist, aussehen? Die letzte Frage hat zu einer Serie von Arbeiten geführt, in denen ich ein "elastisches" Empire State Building, ein 3D Model des berühmten Wolkenkratzers entwickelt habe, das weich zu werden und zu zerfliessen scheint, sich beinahe organisch dreht und wendet und damit ringt in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Dieses Werk, das gewissermaßen auf der Grenzlinie von Organismus und Architektur taumelt, erforscht die Kollission von Stahl und Software als dominante Medien der Macht. Ich bin dabei sowohl vom Kubismus inspiriert - eine Kunstform, die ebenfalls in einer Periode des rasanten Übergangs aufkam - ich bediene mich aber auch bei Francis Bacons' Figürlichkeit mit einem Augenzwinkern zu den elastischen Skulpturen Claes Oldenburgs. Ich arbeite gleichermaßen mit den Mitteln der Malerei, Skulptur, Fotografie und Animation und vereine diese Formen in einem Objekt, das immateriell, kurzlebig, geradezu wolkenhaft und doch vollkommen beständig und real ist."
  

Mark Napier, 2007