
Weitere Bilder
"Seitdem er vom Art
Institute in Pittsburgh 1949 graduierte, praktizierte Roman Verostko, einer der
Gründer der Algorists, das Zeichnen und die Malerei. Wenn er über seine
Arbeiten nachdenkt, die mehr als ein halbes Jahrhundert umspannen, sieht er durchaus
eine Kontinuität seiner Hand- und denen mit dem Computercode generierten
Zeichnungen - einer Technik, die er Zeichnen mit der "Hand des
Geistes" nennt. Seit Mitte der 1980er Jahre sind alle seine
algorithmischen Werke Arbeiten auf Papier, die mit Hilfe eines
selbstgeschriebenen Programms und eines Stiftplotters gezeichnet sind. Romans
"Geisteshand" zeichnet mit Tintenstiften und manchmal auch
orientalischen Pinseln, die auf dem Zeichenarm des Plotters angebracht sind,
Formwelten, von denen er vor seiner algoristischen Phase nur träumen
konnte."
Alice Wagstaff, PhD
Mein künstlerisches Streben
Meine algorithmische Arbeit ist in der Tradition der
Künstler vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die auf der Suche nach der Erzeugung
von Kunst in unverfälschter Form waren, begründet. Durch den Einfluss der
Arbeiten und Schriften von Künstler wie K. Malevich und P. Mondrain wurde meine
Arbeit zu einem lebenslangen Bestreben nach reiner visueller Gestaltung. Eine
derartige Arbeit verweist nicht auf eine „andere“ Realität. Allerdings wird die
Kunstform zu einer „neuen Realität“. All meine aktuellen Arbeiten, die durch
kodierte Vorgänge entstehen, verfolgen das gleiche Streben nach der „reinen
Form“, welches die erste puristische Generation verführte und meine eigene pre-algorist
Arbeit durchdringt.
Übergang zu algorithmischen Formen
Einem Fortran-Kurs am Control Data Institute in Minneapolis folgend, habe ich
in den 1970er Jahren die unglaubliche, formgenerierende Kraft der mit der
Leistung des Computer verbundenen Algorithmen erfahren können. Innerhalb einer
Dekade habe ich mit einem Personal Computer in meinem eigenen Studio gelernt
meine eigenen Programme zu schreiben. Diese auch als Algorithmen bekannten
Anweisungen nahmen Methoden nach, die ich in den 1960er Jahren als Künstler
benutzte. Diese Verfahren haben mich an neuen Grenzen der visuellen Formen
geführt, Formen, die ich niemals ohne das Vermögen der durch Computerleistung
gesteuerten algorithmischen Wiederholung vorgestellt haben könnte. Diese
Kunstformen beschreiben oder beziehen sich nicht auf andere Realitäten, sondern
haben ein eigenes visuelles Leben. Jedes Einzelne ist eine neue
Realität.
Titel
Die Texte zu den Titel sind willkürlich ausgewählt. Manche leiten sich aus
sinnträchtigen Qualitäten ab, die ich in ihrer fertigen Form sehe. Manche
Arbeiten bleiben ohne Titel und werden wie in einer musikalischen Komposition
mit Nummern versehen. Manchmal werden ihnen Titel, die einen Text zu
zelebrieren, eine Person in Erinnerung rufen oder ein Ereignis kenntlich
machen. Dennoch sind diese Kunstwerke selbst immer, ähnlich wie man eine
musikalische Form, eine Blume oder einen Baum erleben würde, als eigene visuell
erfahrbare Realitäten präsent.
Bedeutungen
Meine Kunst reflektiert programmierte Verfahren, die die Technologien steuern,
welche unsere Kultur formen. Jede Zeichnung veranschaulicht den Code, mit dem
sie generiert wurde. Die überraschender Anmut und Schönheit der Visualisationen
lädt uns ein über die Kraft der form-generierenden Programmiersprachen mit
ihrer scheinbar sachlichen Logik nachzudenken. Dadurch zelebriert der Künstler
die mystische Natur der programmierten Verfahren, die der Form unseres sich
entwickelnden Selbst zu Grunde liegt.
Roman Verostko, 2007