HERBERT W. FRANKE
"Der künstlerische Gebrauch von Computergrafik ist nicht der wichtigste aber interessanteste Verwendungszweck digitaler Systeme. Hier bietet sich ein Feld neue Ideen zu untersuchen und neue Methoden einzusetzen. Die experimentelle Beschäftigung mit den neuen Instrumenten öffnet unkonventionelle Ausdrucksmöglichkeiten und Resultate, die nicht nur großen Wert für die Kunst sondern auch für eher praktisch orientierte Bereiche haben. Dies ist eine Facette digitaler Grafik: sie ist eine Brücke zwischem Kunst, Technologie und Wissenschaften aber auch dem täglichen Leben.
Als ich meine ersten Versuche mit grafischen Computersystemen begonnen habe, um das noch unbekannte Territorium ihrer künstlerischen Verwendung zu entdecken, musste ich mich mit geometrischen Elementen und arithmetischen Kurven auseinandersetzen. Die Resultate erschienen einfach und primitiv. Aber es war eher die neue Herangehensweise als die Resultate selbst, die auf eine Evolution in eine Richtung hoffen lies, die sie einen grundlegenden Bestandteil der visuelle Kunst als auch der Kunst im Allgemeinen werden ließ.
Heute wissen wir, dass der geradlinige Fortschritt und die in dieser Situation aufkommende Kritik seitens konventionell orientierter Kunsthistoriker, die in vergangenen Tagen eine starkes Hemmnis war, nun der Vergangenheit angehört.
Ich habe in den Anfängen in den 50er Jahren mit programmierter und instrumenteller bildender Kunst gearbeitet und bin den Weg von analoger zu digitaler Datenverarbeitung, von mechanischen Plottern zu hoch auflösenden Bildschirmen und umfangreichen Farbpaletten, von zwei zu drei Dimensionen und sogar Animation und Interaktivität gegangen, aber empfinde auch heute noch eine Faszination für diesen neuen Typus bildender Kunst. Eine Arbeitsweise in einer Periode von nur 40 Jahren zu perfektionieren erscheint unglaublich. Betrachtet man aber die mehr als tausend Bilder die von 1956 bis 1998 entstanden sind, hat man den Einduck das es sich dabei nicht nur um einen künstlerischen, sondern auch wissenschaftlichen Fortschritt handelt. Man sollte nicht vergessen, dass die Entwicklung der Computersysteme selbst heute noch nicht beendet ist und sich die Computerkunst immer noch im Prozess der Erforschung und Erweiterung befindet. Deswegen bleibt die Auseinanderstzung mit Computergrafik wie in all den vorangegangenen Jahren eine genauso große Herausforderung für Kreativität."
[Herbert W. Franke]





